BMW Motorrad scheint die noch fehlende GS in Arbeit zu haben: eine zweizylindrige Reiseenduro zwischen der F 450 GS und der F 900 GS, mit einem 21-Zoll-Vorderrad und einem Hubraum von etwa 600 cm³. Die ersten Bilder eines Erprobungsfahrzeugs, die die deutsche Presse im August 2026 veröffentlichte, zeigen ein bereits ziemlich weit entwickeltes Motorrad, auch wenn ihm noch die endgültige Verkleidung fehlt.

Bei der Einordnung dieser Nachricht ist jedoch Vorsicht geboten. BMW hat nichts vorgestellt, keine technischen Daten bestätigt und weder einen Namen noch einen Termin genannt. Das Folgende ist daher eine Einordnung: Was ist sicher, was ist hinreichend wahrscheinlich und was bleibt reine Spekulation? Diese Unterscheidung ist in diesem Fall wichtiger als sonst, denn rund um diesen Prototyp kursieren bereits sehr detaillierte technische Datenblätter, die noch niemand überprüft hat.

Was der Prototyp zeigt und woher die Nachricht stammt

Die Erlkönigfotos entstanden während der Straßenerprobung und wurden ab Mitte August 2026 von mehreren italienischen Medien aufgegriffen. Primärquelle ist die deutsche Zeitschrift Motorrad, die traditionell zu den zuverlässigsten Quellen für BMW-Erlkönige zählt, da die Erprobungen größtenteils in Bayern und auf Alpenpässen stattfinden.

Detail des parallelen Zweizylinders und des Speichen-Vorderrads des BMW-Prototyps im Test
Das Erprobungsfahrzeug im Test: Upside-down-Gabel, Speichenräder und provisorische Abgasanlage.

Auf den Bildern lassen sich einige Dinge mit hinreichender Sicherheit erkennen. Die Front verfügt über ein X-förmiges LED-Lichtsignatur, die eindeutig von der Designsprache abgeleitet ist, die mit der R 1300 GS eingeführt wurde. Der vordere Schnabel, ein identitätsstiftendes Element der Münchner Enduros, fehlt: Das kann eine stilistische Entscheidung sein, bei einem Erprobungsfahrzeug ist es jedoch ebenso plausibel, dass es sich schlicht um ein noch nicht montiertes Teil handelt. Das Vorderrad hat 21 Zoll. Die vordere Bremsanlage verfügt über zwei Bremsscheiben. Die Schwinge besteht aus Aluminium, und das Federbein ist seitlich angelenkt – eine Lösung, die an jene der F 450 GS erinnert.

Beim Rahmen gehen die Einschätzungen leicht auseinander: Einige Analysen ordnen ihn eher der Stahlrahmenstruktur der F 900 GS als der ihrer kleineren Schwester zu. Sollte sich dieses Detail bestätigen, würde es viel über die Positionierung des Motorrads aussagen, denn es würde bedeuten, dass BMW die Plattform der 450er nicht einfach vergrößert, sondern auch beim Fahrwerk etwas dazwischenliegendes entwickelt.

Was BMW tatsächlich gesagt hat, ist enger gefasst, aber nicht unerheblich. Markus Flasch, Vorstandsvorsitzender von BMW Motorrad, hatte bereits bei der Präsentation des Konzepts F 450 GS erklärt, dass rund um diese neue Zweizylinder-Architektur eine Modellfamilie entstehen werde und die GS nicht allein bleiben würde. Auf der EICMA 2025 hatte er mit Blick auf die Segmente, in denen die Marke tätig ist, ausdrücklich den Bereich zwischen 450 und 900 cm³ genannt. Keine dieser Aussagen kündigt eine F 600 GS an. Beide machen die Annahme jedoch mit der erklärten Strategie des Unternehmens vereinbar.

Die Lücke im Modellprogramm: 7.000 Euro und 41 Kilo

Um zu verstehen, warum dieses Motorrad sinnvoll wäre, braucht es keine Indiskretionen: Ein Blick auf das aktuelle BMW-Programm genügt.

Die F 450 GS ist ein A2-Motorrad: Parallel-Twin mit 420 cm³, 48 PS bei 8.750 U/min, 43 Nm bei 6.750 U/min, 178 kg fahrfertig, 19- und 17-Zoll-Räder, Einstiegspreis 7.590 Euro. Sie ist leicht und einfach zu fahren und wurde für den Alltag sowie leichtes Gelände entwickelt.

Die F 900 GS gehört in eine andere Kategorie: 895 cm³, 105 PS, 219 kg fahrfertig, 21- und 17-Zoll-Räder, 14.600 Euro. Sie ist ein ernst zu nehmendes Motorrad, im Gelände leistungsfähig und anspruchsvoll, wenn es darum geht, sie bei niedriger Geschwindigkeit oder auf schwierigem Untergrund zu kontrollieren.

Zwischen den beiden liegen 41 Kilo, 57 PS und rund 7.000 Euro. Das ist eine riesige Lücke, und zwar nicht nur auf dem Papier. Genau dort befindet sich heute der größte Teil des europäischen Adventure-Marktes: Motorradfahrer, die die A2-Phase hinter sich haben, ein richtiges Motorrad zum Reisen und für unbefestigte Wege wollen, aber keine 220 Kilo und 100 PS brauchen – oder damit nicht umgehen möchten.

Auch der Führerschein spielt eine Rolle. Die F 450 GS wird als A2-Motorrad entwickelt und bleibt es auch. Ein Motorrad mit 65–70 PS lässt sich dagegen problemlos auf 35 kW drosseln und später wieder entdrosseln: Es wäre also auch für Fahrer kaufbar, die noch den A2-Führerschein besitzen, mit der Aussicht, es danach weiterzufahren. Das ist ein nicht unwichtiges Verkaufsargument, das auch Yamaha seit Jahren bei der gedrosselten Ténéré 700 nutzt.

Der Motor: Ist der 585er von Norton wirklich derselbe?

Hier ist eine Präzisierung nötig, denn verschiedene Darstellungen haben etwas zu stark vereinfacht.

Die kursierende Argumentation lautet: BMW produziert die F 450 GS in Indien gemeinsam mit dem Partner TVS; TVS besitzt Norton; Norton hat gerade die Atlas mit einem 585 cm³ großen Parallel-Twin mit 70 PS vorgestellt; also würde die künftige mittelgroße GS diesen Motor verwenden. Die Prämissen stimmen allesamt, die Schlussfolgerung ist jedoch ein Sprung.

135 Grad gegen 270: Warum das Detail zählt

Der Zweizylinder der F 450 GS hat einen Hubzapfenversatz von 135 Grad, eine ungewöhnliche Lösung, die BMW gewählt hat, um eine gleichmäßige Leistungsentfaltung bei niedrigen Drehzahlen und einen unverwechselbaren Auspuffklang zu erzielen. Der 585er der Norton Atlas hat dagegen eine Kurbelwelle mit 270 Grad, also das klassische Schema moderner Parallel-Twins, von der Ténéré bis zur Transalp. Es handelt sich um zwei unterschiedliche Architekturen mit unterschiedlichen Charakteren.

Äußerlich ähneln sich die beiden Motoren – wer sie aus der Nähe betrachtet hat, bemerkte sehr ähnliche Befestigungspunkte und Deckel –, und beide kommen aus dem TVS-Werk in Hosur. Zu sagen, es handle sich um denselben Motor, wäre jedoch ungenau. Treffender ist, dass sie zur selben industriellen Motorenfamilie gehören und BMW, falls das Unternehmen den Hubraum vergrößern will, bereits den praktischen Beweis hat, dass diese Architektur 585–600 cm³ und 70 PS verkraftet.

Wenn BMW seine 135-Grad-Zündfolge beibehält, wie es sinnvoll erscheint, um den Charakter des Projekts nicht zu verfälschen, wäre das Ergebnis ein verwandter, aber nicht identischer Motor wie der von Norton. Derzeit gibt es in keine der beiden Richtungen Bestätigungen.

Was 65–70 PS wirklich bedeuten würden

Die Gerüchte deuten auf einen Hubraum zwischen 585 und 600 cm³ sowie eine Leistung zwischen 65 und 70 PS hin. Einige Quellen gehen weiter ins Detail und sprechen von 590 cm³ und 65 PS, doch dabei handelt es sich um journalistische Angaben, nicht um Werte aus dem offiziellen Preisverzeichnis.

Nimmt man diese Werte als gegeben, würde das Motorrad knapp unter der Ténéré 700 (73,4 PS) und deutlich unter der Transalp (92 PS) sowie der V-Strom 800DE (84 PS) liegen. Das ist nicht zwangsläufig ein Nachteil: In dieser Kategorie zählt die Spitzenleistung wenig, und ein Motorrad, das auf Drehmoment im mittleren Drehzahlbereich, niedrigen Verbrauch und kontrolliertes Gewicht ausgelegt ist, ist oft effektiver als ein technisch umfangreicheres Datenblatt. Es ist schließlich dieselbe Philosophie, die die Ténéré 700 trotz ihrer auf dem Papier geringsten Leistung unter den Konkurrentinnen zu einem Maßstab gemacht hat.

21 Zoll vorn, 18 hinten. Oder 17?

Das 21-Zoll-Vorderrad ist der aussagekräftigste Bestandteil der gesamten Angelegenheit, weil es eine klare Absichtserklärung ist. Wer vorne ein 21-Zoll-Rad montiert, baut kein Crossover-Motorrad: Er baut ein Motorrad, das auf unbefestigten Wegen funktionieren muss.

Ein 21-Zoll-Rad in Kombination mit einem Reifen mit hoher Flanke absorbiert Hindernisse besser, bleibt an Felsen und Stufen nicht so leicht hängen und hält auf losem Untergrund die Spur stabiler. Der Preis dafür zeigt sich auf Asphalt: langsamere Lenkreaktionen, weniger Präzision in schnellen Kurven und eine höhere Empfindlichkeit gegenüber Spurrillen. Diesen Kompromiss akzeptieren die Ténéré 700, die Tuareg 660 und auch die F 900 GS.

Die Frage nach dem Hinterrad

Bei der Hinterradfelge stimmen die Quellen nicht überein, und das sollte man klar sagen, anstatt die bequemste Angabe auszuwählen.

Mehrere italienische Fachmedien sprechen von einem 18-Zoll-Rad – eine Größe, die zur Offroad-Ausrichtung passen und das Motorrad an die Ténéré 700 angleichen würde. Andere Rekonstruktionen, die auf der Auswertung derselben Bilder beruhen, nennen einen 150/70-17-Reifen, also die von der F 900 GS verwendete Lösung, ohne 18 Zoll auszuschließen. Bei Testfahrzeugen ist es normal, beide Konfigurationen zu erproben.

Der Unterschied ist nicht kosmetischer Natur. Das hintere 18-Zoll-Rad erweitert die Auswahl an ernst zu nehmenden Stollenreifen enorm und verbessert die Widerstandsfähigkeit der Felge gegen Stöße; das 17-Zoll-Rad bietet eine größere Auswahl an Straßenreifen, niedrigere Kosten und ein natürlicheres Verhalten auf Asphalt. Solange BMW dies nicht bestätigt, bleibt diese Angabe offen.

Das übrige Fahrwerk

Die verfügbaren Hinweise sprechen für eine Upside-down-Gabel, Federwege von etwa 200 mm, eine Sitzhöhe im Bereich von 850–900 mm und ein fahrfertiges Gewicht von unter 200 kg. Die Doppelscheibenbremse vorn wäre, sofern bestätigt, ein deutlicher Schritt gegenüber der Einzelscheibe der F 450 GS und würde zu einer höheren Höchstgeschwindigkeit passen. Außerdem ist von der automatisierten Kupplung Easy Ride Clutch die Rede, die bei der 450 bereits in der Trophy-Ausstattung erhältlich ist. Keines dieser Merkmale wurde jedoch offiziell mitgeteilt.

BMW gegen Yamaha Ténéré 700

Die Ténéré 700 ist der natürliche Maßstab – und das nicht aus journalistischer Bequemlichkeit. Sie hat die Kategorie definiert: Stahlrohrrahmen mit Doppelschleife, 21- und 18-Zoll-Räder, bewusst einfache Elektronik, CP2-Motor mit 689 cm³ und 73,4 PS, 208 kg fahrfertig und ein Einstiegspreis von 10.999 Euro. Ihren Erfolg hat sie auf einer einfachen Idee aufgebaut – wenig Ausstattung, aber die richtige – sowie auf einer äußerst aktiven Nutzergemeinschaft.

So würde sich die künftige BMW einordnen – mit dem Hinweis, dass alle BMW-Daten auf Vermutungen oder Gerüchten beruhen und keine davon offiziell ist.

Merkmal Künftige BMW GS der Mittelklasse (Vermutung) Yamaha Ténéré 700 (Listenangabe)
Motor Paralleler, flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder (wahrscheinlich) Paralleler Zweizylinder CP2, 270°
Hubraum 585–600 cm³ (Vermutung) 689 cm³
Leistung 65–70 PS (Vermutung) 73,4 PS bei 9.000 U/min
Drehmoment N/V — noch nicht kommuniziert 68 Nm bei 6.500 U/min
Gewicht fahrfertig Unter 200 kg (vermutetes Ziel) 208 kg
Vorderrad 21" (am Prototyp sichtbar) 21" Speichenrad
Hinterrad 18" oder 17" — widersprüchliche Quellen 18" Speichenrad
Vorderradbremse Doppelscheibe (am Prototyp sichtbar) Doppelscheibe 282 mm
Federung Upside-down-Gabel, ~200 mm (wahrscheinlich) 43 mm verstellbar, 210 mm vorne / 200 mm hinten
Elektronik N/V — noch nicht kommuniziert Ride-by-Wire, Traktionskontrolle, abschaltbares ABS
Tank N/V — noch nicht kommuniziert 16 Liter
Sitzhöhe 850–900 mm (vermutlich) 875 mm
A2-Version Leistungsdrosselung plausibel, nicht bestätigt Mit 35 kW erhältlich
Preis N/V — nicht kommuniziert (vermutlich um 10.000 €) Ab 10.999 €
Name N/V — nicht kommuniziert Ténéré 700
Verfügbarkeit Modelljahr 2028, nicht bestätigt Im Verkauf

Wo BMW einen Vorteil haben könnte

Wenn das Ziel eines Gewichts von unter 200 kg erreicht würde, wäre die BMW leichter als die Ténéré, und in dieser Kategorie machen zehn Kilo tatsächlich einen Unterschied: beim Rangieren im Stand, beim Aufrichten nach einem Sturz und beim Fahren im Stehen auf losem Untergrund. Der zweite erwartbare Vorteil ist die elektronische Ausstattung: BMW ist es gewohnt, auch bei Einstiegsmodellen TFT, Fahrmodi, schräglagenabhängiges ABS und Tempomat anzubieten, während die Ténéré bewusst spartanisch bleibt. Der dritte Vorteil ist das Händlernetz: BMW-Service, Ersatzteile und Finanzierung sind ein konkretes Argument für alle, die auf Reisen gehen.

Wo die Ténéré weiterhin vorn liegt

Die Ténéré 700 existiert, ist heute erhältlich und kann auf sieben Jahre Entwicklung, Ersatzteile und Zubehör zurückblicken. Der CP2-Motor genießt einen im praktischen Einsatz erworbenen Ruf für Robustheit, und die Verfügbarkeit von speziellem Zubehör für die Ténéré 700 gehört zu den umfangreichsten im Segment — ein Faktor, den ernsthafte Reisende noch vor dem Datenblatt berücksichtigen. Außerdem hat sie 100 cm³ mehr: Auf der Autobahn, mit Gepäck und Beifahrer, macht sich das bemerkbar.

Nicht nur die Ténéré: Die Mittelklasse ist dicht besetzt

Wenn der endgültige Hubraum tatsächlich bei etwa 600 cm³ liegen sollte, würde sich BMW in einer besonderen Position wiederfinden: unter fast allen erklärten Konkurrentinnen.

  • Honda XL750 Transalp — 755 cm³, 92 PS, 210 kg, 21- und 18-Zoll-Räder, Listenpreis um 11.000 Euro. Sie ist von der Abstimmung her die straßenorientierteste des Vergleichs, bietet aber auch das beste Gesamtpaket beim Verhältnis von Ausstattung zu Preis.
  • Suzuki V-Strom 800DE — 776 cm³, etwa 84 PS, 21- und 17-Zoll-Räder, die schwerste im Vergleich. Im Gelände weniger präzise, auf Reisen sehr solide.
  • Aprilia Tuareg 660 — 659 cm³, 80 PS, die leichteste und kurvenstärkste Maschine, mit schlauchlosen Speichenrädern. Historisch auch die teuerste.
  • CFMOTO 800MT-X — 799 cm³, etwa 95 PS, KTM-abgeleiteter Motor, aggressiver Preis. Sie ist die Variable, die die Preiserwartungen in diesem Segment neu definiert.
  • KTM 790 und 890 Adventure — sportlichere Ausrichtung und extremer Offroad-Einsatz, mit einem deutlichen Preisunterschied zwischen den beiden.
  • Norton Atlas – 585 cm³, 70 PS, 19-Zoll-Vorderrad, europäischer Einstiegspreis von rund 9.250 Euro. Sie ist der echte Prüfstein: Sie zeigt, was man heute mit diesem Hubraum leisten kann und zu welchem Preis.

Die Einschätzung ist zweigeteilt. Einerseits drohte eine BMW mit 600 cm³ das leistungsschwächste Motorrad der Klasse zu sein. Andererseits könnte sie gerade deshalb von unten angreifen: geringere Industriekosten, weniger Gewicht, niedrigerer Preis. Bei der Leistung würde sie nicht mit der Transalp konkurrieren, ihr aber Kunden durch bessere Zugänglichkeit abwerben – und sie wäre die einzige in diesem Segment, die den Propeller auf dem Tank trägt.

Wer diese BMW kaufen würde

Das daraus entstehende Profil entspricht nicht dem eines Max-Enduro-Kunden. Es handelt sich um eine ziemlich genau umrissene Zielgruppe:

  • Menschen, die mit einer F 450 GS aus der A2 kommen und der Familie treu bleiben möchten, indem sie auf ein größeres Modell umsteigen, ohne bei der 900er zu landen;
  • Menschen, die sich die F 900 GS ansehen und sie zu hoch, zu schwer oder zu teuer finden;
  • Menschen, die das Motorrad jeden Tag nutzen und am Wochenende Schotterstraßen statt extremem Enduro fahren;
  • Menschen, die eine Max-Enduro in der Garage haben und sich als Zweitmotorrad für langsame Reisen etwas Leichteres wünschen;
  • Menschen, die heute eine Ténéré 700 kaufen würden, aber mehr Elektronik und ein dichteres Servicenetz wünschen.

Es gibt außerdem einen weniger oft beschriebenen Teil des Marktes: Menschen, die sich nach ihrem vierzigsten Lebensjahr dem Adventure-Segment nähern, über ein mittleres Budget verfügen und keine Lust haben, ein wuchtiges Motorrad zu beherrschen. Diese Zielgruppe wächst und wird von BMW derzeit schlecht erreicht, denn zwischen 178 und 219 kg hat BMW nichts anzubieten.

Warum eine GS mit 600 cm³ strategisch wäre

Das Adventure-Segment mit mittlerem Hubraum ist aus einem einfachen Grund gewachsen: Die Max-Enduros sind zu sehr leistungsfähigen, aber auch sehr großen, teuren Motorrädern geworden – sowohl in der Anschaffung als auch im Unterhalt. Wer wirklich reist – und nicht nur davon träumt –, hat festgestellt, dass ein 200 Kilogramm schweres Motorrad nützlicher ist als eines mit 250 Kilogramm, wenn die Straße endet, wenn man es auf eine Fähre laden muss oder wenn es im Sand umfällt.

Für BMW gibt es außerdem industrielle Gründe. Die in München entwickelte und in Indien produzierte Zweizylinderplattform hat wettbewerbsfähige Produktionskosten und bereits bewiesenes Potenzial für einen größeren Hubraum. Jedes zusätzliche Modell auf dieser Basis amortisiert die Anfangsinvestition – genau diese Überlegung hat Flasch öffentlich dargelegt, als er von einer Modellfamilie rund um die F 450 sprach. Eine mittelgroße GS wäre aller Wahrscheinlichkeit nach nur das erste dieser Modelle: Die gleichen Rekonstruktionen gehen von einem davon abgeleiteten Naked Bike aus, doch auch das bleibt eine Hypothese.

Es lohnt sich, daran zu erinnern, dass BMW in diesem Segment bereits vertreten war. Die Geschichte der GS-Familie führt über Modelle wie die F 650 GS, die für eine Generation europäischer Motorradfahrer der Einstieg ins Motorradtouren war. Eine Rückkehr in dieses Segment wäre keine völlige Neuheit, sondern eine Rückkehr.

Wann könnte sie kommen?

Die am häufigsten genannte Angabe ist 2028, wobei der Produktionsstart für die zweite Jahreshälfte vermutet wird. Klar ist: BMW hat kein Datum genannt, und ein heute mit provisorischer Verkleidung bei Testfahrten gesichtetes Motorrad hat noch einen langen Weg vor sich – mit Homologation, Industrialisierung und Feinabstimmung. Zeitpläne können sich verschieben, ändern oder neu organisiert werden.

Wenn der Zeitplan eingehalten wird, dürfte die offizielle Präsentation plausibel auf der EICMA 2027 stattfinden, die Ankunft bei den Händlern im Laufe des Jahres 2028. Manche vermuten sogar eine Vorpremiere bereits auf der EICMA 2026, doch derzeit gibt es dafür keine Anhaltspunkte.

Wie wird sie heißen?

Die beiden kursierenden Bezeichnungen sind F 600 GS und F 650 GS. Die erste entspricht der aktuellen Nomenklatur, die den gerundeten Hubraum verwendet; die zweite würde eine Bezeichnung zurückbringen, die in Europa einen beträchtlichen nostalgischen Wert besitzt. Außerdem gibt es die eher romantische als konkrete Spekulation, dass auf die alte Bezeichnung Dakar Bezug genommen werden könnte.

Keine der drei Bezeichnungen ist bestätigt. Es ist wichtig zu bedenken, dass der tatsächliche Hubraum der F 450 GS 420 cm³ beträgt und die Modellbezeichnung trotzdem 450 lautet: BMW rundet aus Gründen der kommerziellen Positionierung und nicht aus metrischer Genauigkeit. Daher könnte sich auch ein Modell mit 585 oder 590 cm³ problemlos 600 nennen – oder 650, falls das Marketing entscheidet, dass die Erinnerung mehr zählt als die Konsequenz.

Was wir bisher wissen

Element Status Detail
Existenz eines Erprobungsprototyps 🟡 wahrscheinlich Durch Spyfotos der deutschen Presse dokumentiert, von BMW weder dementiert noch bestätigt
BMWs Absicht, die F-450-Familie zu erweitern ✅ bestätigt Öffentliche Aussagen von Markus Flasch
Angekündigtes Serienmodell ❓ unbekannt Keine offizielle Mitteilung von BMW Motorrad
Motorarchitektur 🟡 wahrscheinlich Paralleltwin, abgeleitet von der Architektur der F 450 GS
Hubraum 🟡 wahrscheinlich 585–600 cm³ laut Gerüchten
Leistung 🟡 wahrscheinlich 65–70 PS laut Gerüchten
Vorderrad 🟡 wahrscheinlich 21 Zoll, auf den Bildern des Prototyps sichtbar
Hinterrad ❓ unbekannt Widersprüchliche Quellen nennen 18" und 17"
Doppelte Vorderradbremsscheibe 🟡 wahrscheinlich Auf den Bildern des Prototyps sichtbar
Gewicht ❓ unbekannt Vermutetes Ziel: unter 200 kg
Easy Ride Clutch ❓ unbekannt Auf der Verfügbarkeit der F 450 GS basierende Spekulation
Markteinführungsjahr ❓ unbekannt Wiederkehrende Spekulation: 2028
Preis ❓ unbekannt Keine offizielle Angabe
Handelsname ❓ unbekannt F 600 GS und F 650 GS sind journalistische Spekulationen

Das Bild, kurz zusammengefasst

Es gibt einen Prototyp. Es gibt eine offensichtliche Lücke im BMW-Programm. Es gibt eine technische Plattform, deren Hubraum erweitert werden kann, und dafür wurde bereits ein industrieller Nachweis erbracht. Es gibt offizielle Aussagen, die den Willen bestätigen, eine Modellfamilie rund um diese Basis aufzubauen.

Eine BMW F 600 GS gibt es derzeit nicht. Es gibt jedoch die sehr fundierte Annahme, dass es sie geben wird. Für alle, die jetzt eine Adventure mit mittlerem Hubraum auswählen, ändert diese Nachricht nichts Konkretes: Die Ténéré 700, die Transalp und die Tuareg 660 bleiben, was sie sind. Wer hingegen zwei Jahre warten kann, sollte EICMA 2027 im Auge behalten.

Häufig gestellte Fragen

Hat BMW die neue GS mit mittlerem Hubraum bestätigt?

Nein. BMW Motorrad hat keine offizielle Mitteilung zu einer GS zwischen der F 450 GS und der F 900 GS veröffentlicht. Bestätigt sind lediglich die allgemeinen Aussagen von CEO Markus Flasch über die Absicht, eine Modellfamilie rund um die neue Zweizylinderarchitektur zu entwickeln.

Wann wird die neue BMW GS mit mittlerem Hubraum erscheinen?

Als wiederkehrende Vermutung gilt 2028, aber das ist kein offizielles Datum. BMW hat keinen Zeitplan mitgeteilt, und Entwicklungsprogramme können sich ändern.

Wie viele PS wird sie haben?

Die Gerüchte sprechen von 65–70 PS. Offizielle Angaben gibt es nicht. Zum Vergleich: Die F 450 GS leistet 48 PS und die F 900 GS 105 PS.

Welchen Motor wird sie verwenden?

Wahrscheinlich wird sie einen Paralleltwin verwenden, der von der Architektur der F 450 GS abgeleitet und auf etwa 585–600 cm³ gebracht wurde. Nicht bestätigt ist, ob sie Komponenten mit dem 585er-Motor der Norton Atlas teilen wird, der aus demselben industriellen Umfeld von TVS stammt, jedoch eine andere Kurbelwellen-Zündfolge verwendet (270° gegenüber 135° bei BMW).

Wird sie eine Konkurrentin der Yamaha Ténéré 700 sein?

Aufgrund der Auslegung – 21-Zoll-Vorderrad, Offroad-Charakter, mittlerer Hubraum – ist ein Vergleich unausweichlich. Auf dem Papier wäre die BMW jedoch weniger leistungsstark und möglicherweise leichter, daher wäre sie keine direkte, sondern eine ergänzende Konkurrentin.

Welche Räder wird sie montieren?

Das 21-Zoll-Vorderrad ist auf den Bildern des Prototyps zu sehen. Beim Hinterrad herrscht Uneinigkeit unter den Quellen: Einige nennen 18 Zoll, andere 17. BMW hat nichts dazu mitgeteilt.

Wie viel könnte sie kosten?

Dazu gibt es keinerlei offizielle Angaben. Ausgehend von der Positionierung zwischen den 7.590 Euro der F 450 GS und den 14.600 Euro der F 900 GS sowie den Preisen der direkten Konkurrentinnen wird ein Preis um 10.000 Euro vermutet. Das bleibt eine nicht überprüfbare Schätzung.

Wie wird sie sich gegenüber der F 450 GS positionieren?

Darüber hinaus, und zwar deutlich: mehr Hubraum, mehr Leistung, eine Doppelscheibenbremse vorn, ein 21-Zoll-Vorderrad statt 19 Zoll sowie eine stärker auf Gelände und Reisen ausgerichtete Auslegung. Die F 450 GS bliebe das Einstiegsmodell für den Führerschein A2.

Wie wird sie sich im Vergleich zur F 900 GS positionieren?

Darunter, sowohl bei Leistung als auch bei Gewicht und Preis. Die F 900 GS bliebe die Wahl für alle, die volle Leistung und Langstreckentauglichkeit suchen.

Wird sie für das Gelände geeignet sein?

Die Anzeichen deuten darauf hin: 21 Zoll am Vorderrad, großzügige Federwege und geringes Gewicht sind die richtigen Voraussetzungen. Solange jedoch keine endgültigen Daten zu tatsächlichem Gewicht, Geometrie und Fahrwerksabstimmung vorliegen, ist jede Einschätzung verfrüht.

Wie wird sie heißen?

Das ist nicht bekannt. Die am weitesten verbreiteten journalistischen Vermutungen lauten F 600 GS und F 650 GS. BMW hat keine Bezeichnung registriert oder öffentlich bekannt gegeben.

Wird es spezielles Zubehör geben?

Noch nicht. Solange das Motorrad nicht als Serienversion existiert, gibt es kein kompatibles Zubehör: Jede derzeit kursierende Angabe zur Kompatibilität wäre unbegründet. Wer Lösungen für die derzeit erhältlichen Adventure-Modelle sucht, kann mit unserem Ratgeber zum Zubehör für Adventure-Motorräder beginnen.

Quellen und weiterführende Informationen

  • BMW Motorrad Italia — offizielle Seite der BMW F 450 GS (technische Daten und Preislistenprogramm)
  • BMW Motorrad Italia — offizielle Seite der BMW F 900 GS
  • BMW Group PressClub — offizielle Mitteilung zur BMW Concept F 450 GS
  • Motorrad (Deutschland) — erste Erlkönigfotos des Prototyps mit mittlerem Hubraum
  • Moto.it — Aussagen von Markus Flasch auf der EICMA 2025 und technische Datenblätter aus dem Preislistenprogramm
  • Dueruote — Interview mit Markus Flasch zur aus der F 450 abgeleiteten Modellfamilie
  • Norton Motorcycles — offizielle technische Daten der Atlas 585
  • Yamaha Motor Italia — offizielle technische Daten der Ténéré 700

Bildnachweise: Die in diesem Artikel veröffentlichten Prototypbilder wurden von Moto.it aufgenommen, das sie in Italien verbreitet hat. Die Originalaufnahmen stammen aus der deutschen Fachpresse.

Artikel aktualisiert am 1. September 2026. Alle Angaben zur künftigen BMW mit mittlerem Hubraum sind Gerüchte oder Vermutungen: BMW Motorrad hat keine Informationen bestätigt. Wir aktualisieren diese Seite, sobald offizielle Mitteilungen vorliegen.

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